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Královec statt „Kaliningrad“

Tschechische Witzbolde ärgern Putin-Russland

Russlands jüngste Annexion von ukrainischen Territorien hat nicht nur den Protest vieler Staaten ausgelöst. Seit Anfang Oktober sieht sich Putin-Russland einer wirkungsvollen satirischen Attacke von Tschechen im Internet ausgesetzt. Was Putin kann, können wir auch, dachten sie und verkündeten ein virtuelles Referendum über den Anschluss der russischen Exklave Kaliningrad an die Tschechische Republik. Der digitale „Wahlzettel“ enthielt nur zwei mögliche Antworten: „Ja“ und „Selbstverständlich“.


Aus dem spontanen Scherz eines Twitter-Users entwickelte sich eine gigantische Welle der Heiterkeit. 102 Prozent der Wähler hätten bei dem grandiosen Referendum für Tschechien gestimmt, wurde da in Anspielung an die Scheinreferenden des Kremls in der Ostukraine gespottet. Man heiße das neue Territorium im tschechischen Staat willkommen. Die Stadt Kaliningrad – bis 1945 das deutsche Königsberg – werde künftig den tschechischen Namen Královec tragen. Damit korrigiere man eine historische Ungerechtigkeit, schließlich wurde das 1283 gegründete Königsberg nach dem böhmischen König Přemysl Ottokar II. so benannt, der dem Deutschen Orden im Mittelalter half, diese ostpreußische Region zu erobern. Es folgte eine Flut von Bildern zum vermeintlichen Anschluss der russischen Exklave an Tschechien. Der kleine Maulwurf nimmt darauf beispielsweise ein Sonnenbad am Ostseestrand von Königsberg oder spaziert durch den dortigen Hafen. Begeisterte Einwohner schwenken tschechische Fahnen. Eine TV-Moderatorin steht vor einer Wetterkarte, auf der Kaliningrad vel Královec zu Tschechien gehört. Ein Flugzeugträger „Karel Gott“ patrouilliert vor der ostpreußischen Küste. Ein Bild zeigt einen verdutzten Putin, der bei einem Anruf in „Kaliningrad“ statt des vertrauten „zdrastwujte“ den tschechischen Gruß „ahoj“ hört und dazu erfährt, dass er für die Stadt nun ein Visum braucht. Typisch für die Tschechen ist eine Bier-Pipeline, die „Kaliningrad“ mit seinem neuen Mutterland verbindet: Beer Stream 1.


Die witzige Aktion wird sogar von Unternehmen und Behörden aufgegriffen. Die Tschechischen Bahnen gaben offiziell bekannt, dass ihre Züge ab dem Fahrplanwechsel im Dezember auch Königsberg ansteuern werden und die Stadtpolizei von Pardubitz/Pardubice teilt mit: Wo wir heute blitzen? Natürlich in Kaliningrad. Sogar die US-Botschaft in Prag fragte nach, ob die Tschechen nicht zufällig einen Flugzeugträger brauchen.


Doch während man sich in Tschechien und Polen köstlich amüsiert, kommt aus Putin-Russland ernsthafter Protest. Im Internetportal politexpert.net heißt es zum Beispiel: Polen und Tschechien sollten sich keine Hoffnungen auf eine Teilung des „Kaliningrader“ Gebiets machen, denn Russland werde niemals sein Territorium aufgeben. (Sh)


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