Per Kajak von Breslau nach Berlin

Werbetour für saubere Gewässer und gutes Klima

Mit einer Kajaktour von Breslau nach Berlin will der polnische Umweltschützer Dominik Dobrowolski Anfang Juli für den Schutz der Gewässer und einen klimafreundlichen Tourismus werben. Zehn Tage lang will er mit Gleichgesinnten auf der rund 300 Kilometer langen Strecke über die Oder, den Oder-Spree-Kanal und die Spree paddeln. Dabei will die Gruppe selbst Müll vermeiden und das aufsammeln, was weniger bewusste Zeitgenossen am Ufer und in den Gewässern zurückgelassen haben.

Dobrowolski machte bereits vor zehn Jahren mit dem Projekt "Cycling Recycling“ auf sich aufmerksam und warb bei einer 6.000 Kilometer langen Radtour entlang der Ostseeküste für den Schutz des Meeres vor Verschmutzung. Weil der überwiegende Teil der Abfälle über die Flüsse in die Ostsee gelangt, begann er danach Recycling-Touren zum Schutz der heimischen Gewässer. Seitdem war er als „paddelnder Müllsammler“ schon rund 10.000 Kilometer auf Flüssen und Seen unterwegs. Nach Touren, die ihn kreuz und quer durch Polen führten, plant er vom 3. bis 12. Juli eine internationale Tour von seiner niederschlesischen Heimatstadt Breslau nach Berlin.

Müll kennt keine Grenzen“, begründet der Öko-Aktivist seine Aktion. Unterwegs will man nicht nur Gewässer und Ufer reinigen, sondern sich auch umwelt- und klimafreundlich verhalten. Man setzt ganz auf lokale Produkte, will auf überflüssige Verpackungen verzichten sowie eigene Abfälle sortieren und recyceln. Als Ausgleich für den Kohlendioxid-Verbrauch beim Rücktransport der Boote sollen nach der Tour Bäume gepflanzt werden. Der unterwegs gesammelte Müll wird zum Wertstoffhof gebracht.

Bisher haben sich schon rund zwei Dutzend Interessenten gemeldet, die gemeinsam mit Dominik Dobrowolski auf Tour gehen möchten, neben Kajakfahrern auch einige Stand Up-Paddler. Die Tour ist für die Beteiligten kein Zuckerschlecken. Für die Tagesetappen von bis zu 50 Kilometern muss man rund zehn Stunden lang paddeln. Deshalb sollten die Teilnehmenden auch einige Erfahrungen auf dem Wasser haben und die nötige Selbstdisziplin mitbringen, rät der Organisator. Willkommen ist auch, wer nur einen Abschnitt der Reise begleiten oder beim Aufräumen am Ufer helfen möchte. Neben dem sportlichen Erlebnis und dem ernsten Anliegen soll der Spaß nicht zu kurz kommen. So soll Zeit bleiben, um Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke zu erleben und die Abende will man gemeinsam bei Musik am Lagerfeuer verbringen.

Nach der Tour auf dem polnischen Teil der Oder, die u.a. am Zisterzienserkloster in Leubus (Lubiąż) und der Altstadt von Glogau (Głogów) vorbeiführt, will die Gruppe am 9. Juli Eisenhüttenstadt erreichen. Von dort geht es über den Oder-Spree-Kanal und die Spree weiter nach Fürstenwalde und Erkner, bevor am 12. Juli die letzte Etappe beginnt. Sie soll am Schloss in Berlin-Köpenick mit einem kleinen Fest für die Teilnehmenden enden – natürlich mit dem nötigen Abstand.

Die Corona-Pandemie erschwerte die Vorbereitungen. Auf der Tour die Abstände einzuhalten, ist das geringste Problem. Die größte Sorge war, dass die Grenze zwischen Polen und Deutschland rechtzeitig wieder offen ist. Nach ersten Ankündigungen von polnischer Seite, dass bereits ab 15. Juni wieder touristische Reisen möglich sein könnten, ist Dominik Dobrowolski optimistisch. Aber für alle Fälle hat er auch einen Notfallplan: „Dann paddeln die polnischen Teilnehmer von Breslau bis zur Grenze und die deutschen von dort weiter nach Berlin.“ Mit der Aktion, die von verschiedenen Sponsoren und auch vom Polnischen Fremdenverkehrsamt unterstützt wird, will Dominik Dobrowolski für den Schutz der Natur und Umwelt sensibilisieren. „Wir sollten nur unseren Fußabdruck im Sand hinterlassen, aber keinen Müll“, meint er.

Interessierte aus Deutschland können sich noch bis 15. Juni anmelden. Die Teilnahmegebühr für die gesamte Strecke liegt bei knapp 120 Euro. Wer kein eigenes Kajak oder Kanu hat, kann ein Boot mieten. Weitere Informationen bei Bogumił Jarecki: 0176 / 68 38 28 20. www.polen.travel

Odertour, Foto: Dominik Dobrowolski



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