Wo die Mauern noch deutsch sprechen

"Inschriften-Archäologie in Ober- und Niederschlesien"

Dawid SmolorzUnter diesem Titel findet am Dienstag, den 6. Oktober 2020 um 18:30 Uhr im Rahmen des Projektes „Vergessenes Erbe / Vergessene Inschriften“ im Oberschlesischen Landesmuseum in Ratingen ein Vortrag von Dawid Smolorz (Foto), Projektbearbeiter und -koordinator, statt.

Es handelt sich um eine Veranstaltung des Kulturreferates für Oberschlesien im Rahmen von „Podium Silesia-Beiträgen zur Geschichte Oberschlesiens“.

Nach 1945 fand in den früheren deutschen Ostgebieten eine sehr konsequent, auch wenn nicht überall mit gleichem Engagement durchgeführte „Entdeutschungsaktion“ statt. In Nieder- und Oberschlesien, in Pommern und in Ostpreußen fielen dieser Aktion jegliche deutschsprachige Informations- und Werbeaufschriften, Ladenschilder und Wegweiser zum Opfer. Nicht nur wurden auf diese Weise sechs Jahre brutaler deutscher Besatzung Polens abreagiert. Man wollte damit auch alle möglichen Beweise dafür entfernen, dass die Wiedergewonnenen Gebiete, so die offizielle Bezeichnung der früheren deutschen Ostprovinzen in der Volksrepublik Polen, in Wirklichkeit nicht ganz so urpolnisch waren, wie in der Propaganda verkündet.
Seit dem Fall des Kommunismus sind die sichtbaren Relikte der deutschen Vergangenheit keiner politisch motivierten Zerstörung mehr ausgesetzt. Wo heute Fassaden alter Bürgerhäuser und öffentlicher Gebäude bröckeln, erscheinen nicht selten Schilder längst nicht mehr existierender Geschäfte oder Restaurants. Allgemein gilt die Regel:
Je schlechter der Zustand einer Stadt, desto größer die Chance, dass aus dem alten Putz wieder Spuren vergangener Zeiten hervortreten.
Doch auch heute wecken die alten deutschen Inschriften in Polen Kontroversen. Gleichzeitig gibt es aber viele positive Beispiele, wo polnische Hausbesitzer, Wohnungsgemeinschaften oder kommunale Verwaltungen im Bewusstsein des historischen Erbes die alten deutschen Aufschriften renovieren oder hervorheben.


Das Projekt „Vergessenes Erbe / Vergessene Inschriften“ präsentiert ausgewählte deutschsprachige Schriftzüge aus Ober- und Niederschlesien – sowohl solche, die in
der Nachkriegszeit nicht unwiederbringlich zerstört wurden, als auch jene, die in den letzten Jahren auf Initiative der jetzigen Hausbewohner restauriert wurden.


Das Oberschlesische Landesmuseum ist am 6. Oktober bis 18:15 Uhr geöffnet, so dass vor dem Vortrag Gelegenheit zu einem Museumsbesuch besteht. (Sh)

www.oberschlesisches-landesmuseum.de


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