• 21. September 2018
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Hans Pleschinksi las im Wiesenstein

Das deutsche „Vom Winde verweht“
Hans Pleschinski las am Ort des Geschehens im Riesengebirge aus seinem Roman Wiesenstein

In Görlitz und am Schauplatz der Geschehnisse, im Haus Wiesenstein in Agnetendorf (Jagniątków), las am 15. und 16. September Hans Pleschinski auf Einladung des Görlitzer Senfkorn Verlages und der Kulturreferentin für Schlesien Agnieszka Bormann aus seinem Roman „Wiesenstein“.

Bereits bei der Vorstellung hatte er die Hörer auf seiner Seite, denn der Autor verbarg seine Rührung in Gerhart Hauptmanns Heimat zu sprechen, nicht. Was nicht jedem Autor in die Wiege gelegt ist, nämlich eigene Texte gut interpretieren zu können, kann Pleschinski meisterhaft. Er versetzt den Hörer mit seiner Stimme in die richtige Stimmung.

Es ist März 1945. Der 82-jährige, kranke, gebrechliche und von den Bildern des zerbombten Dresden tief traumatisierte Gerhart Hauptmann fährt mit seiner Frau Margarethe, seiner Sekretärin und dem Masseur von einem Kuraufenthalt zurück nach Schlesien. Entgegen den Flüchtlingsströmen. War dies Alterssturheit oder eine Liebeserklärung an seine schlesische Heimat will Agnieszka Bormann, Referentin für Schlesien am Schlesischen Museum zu Görlitz, vom Autor wissen. Pleschinski überlegt: „Allein, dass dieses ältere Ehepaar Gert und Margarethe Hauptmann noch im Februar 1945 in ein Sanatorium reist, ist völlig absurd. Es gab fast kein Verkehr mehr in Deutschland, alles ging nur über Beziehungen. Die ersten Flüchtlingsströme waren bereits unterwegs. Und im März 1945 war es dann noch schriller, denn man konnte nur noch mit Sondergenehmigungen ins Riesengebirge zurückfahren. Es war Sturheit und tiefe Heimatverbundenheit zugleich, es war aber auch die völlige Erschöpfung des alten Mannes, der traumatisiert durch den Untergang Dresdens ‚aushauchen‘ wollte. Doch er hat noch etliche Monate diesen mächtigen Geschichtswechsel in Schlesien erleben müssen“, so Pleschinski.

Er will darüber der jüngeren Generation, die nicht mehr viel darüber wissen, erzählen: „Es ist eine Art deutsches ‚Vom Winde verweht´“, so der Autor. Er zeichnet eine Landschaft, die von der Stimmung des bereits fast verlorenen Schlesiens geprägt ist. Doch sein Roman ist nicht nur düster. Wiesenstein scheint in der vom Krieg und Grauen gezeichnete Landschaft wie ein Fremdkörper aus anderen Zeiten zu sein. Ein Haus in dem man den Luxus und Reichtum genoss, wo bis Wladiwostok die letzte Zofe und Butler dienten, wo man auch in schwierigsten Zeiten Gerichte, wie „Unkrautauflauf“ kreierte.

Das Schreiben des Romans war für Pleschinski „eine irrsinnig spannende Entdeckungsreise“. Er wollte dem Publikum auch möglichst viele Hauptmann- Werke als Anregung zum lesen anbieten.

Es sei dem Buch zu wünschen, so Agnieszka Bormann, dass sich viele Leser auf den Weg nach Wiesenstein und generell nach Schlesien aufmachen, um sich auf Gerhart Hauptmanns Spuren in seine Heimat zu begeben. Wer sich aufmachen möchte, um Hans Pleschinski zu erleben, kann dies zu den auf www.beck.de genannten Terminen tun.

24. Oktober: Neusäß, 19.30 Uhr, Stadthalle, Foyer, Hauptstraße 28
30. Oktober: Celle, 20 Uhr, Buchhandlung Decius, Markt 4 - 6
04. November: Ansbach, 11 Uhr, Kunsthaus, Reitbahn 3
07. November: Regensburg, 18 Uhr, Universitätsbibiliothek, Universitätsstr. 31*
*Hans Pleschinski im Gespräch mit seinem Lektor Martin Hielscher

Der Bestseller-Roman „Wiesenstein“ (552 Seiten, geb.) kann zum Preis von 24,00 Euro zzgl. VK unter www.schlesische-schatztruhe.de bestellt werden. 

Klaudia Kandzia

(Gekürzter Beitrag aus der Oktober-Ausgabe von "Schlesien heute")

Historische Lesung am Ort des Geschehens im Haus Wiesenstein
Foto: E. Ioannidou