• 24. Oktober 2018
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Kulturpreis Schlesien 2018 in Liegnitz vergeben

Ende September wurde im imposanten Königssaal der Liegnitzer Ritterakademie der 42. Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen vergeben. „Der heutige Festakt hat einen besonderen Jubiläumscharakter, denn er leitet das zweite Vierteljahrhundert der Zusammenarbeit zwischen Niedersachsen und Niederschlesien bei der Ausrichtung des Kulturpreises ein“, freute sich der Niederschlesische Marschall, Dr. Tadeusz Samborski. Er wies auf den für die Polen wichtigen Jahrestag der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Polens hin.

„Das spätere Drama des Zweiten Weltkrieges und die schwierigen Jahre des sogenannten Realsozialismus, die wir im 20. Jahrhundert erfahren hatten, konnten wir dank unserer Bindung an das Erbe der nationalen Tradition überstehen. Die für das Überleben der Nation entscheidenden Werte waren ihr Heroismus und ihr gefestigter Patriotismus: Gerade die Polen definierten im 19. Jahrhundert die Bedeutung dieses Begriffes, indem sie in ihrem Land und in ganz Europa um ihr unabhängiges Dasein und um die Souveränität der eigenen Nation gekämpft haben“, so Marschall Samborski, dessen Patriotismus sich auch auf die Region bezieht. Ebenso verbunden mit seiner Heimatstadt Breslau und mit Schlesien ist der diesjährige Preisträger Andrzej Kosendiak. Der Künstler, Pädagoge und Kulturmanager gehört zu den bedeutendsten Persönlichkeiten des polnischen Musiklebens und prägt seit Beginn seiner beruflichen Karriere das Musikleben Niederschlesiens. Er arbeitet dabei mit Schulen und Kultureinrichtungen zusammen. Herausragende Musiker, die mit ihm zusammenarbeiten, präsentieren ihr Können in einem der besten Konzertsäle der Welt, zu dem das Nationale Musikforum zählt und dessen Leiter Kosendiuk ist.

Von deutscher Seite erhielt den Kulturpreis der Historiker Prof. Joachim Bahlcke. Für ihn war es gleich mehrfach ein besonderer Tag, da die Preisverleihung an seinem Geburtstag stattfand und auch sein Schwiegervater, ein Liegnitzer bei der Preisverleihung dabei sein konnte. „Die Schlesien betreffenden Leistungen von Prof. Joachim Bahlcke zeichnen sich durch systematischen Ansatz und Komplexität aus. Um die geplanten Forschungsprojekte durchzuführen, lädt er jeweils die seiner Ansicht nach führenden Fachleute ein, wobei für ihn nicht entscheidend ist, aus welchem Land sie kommen. Daher kann er als Fortsetzender und Förderer der internationalen ‚Republik der Gelehrten´ angesehen werden, die auf gegenseitigem Vertrauen und einem gemeinsamen Streben nach Wahrheit beruht“, sagte sein Laudator, Prof. Jan Harasimowicz.

Den Sonderpreis erhielt die Stiftung Schlösser und Gärten im Hirschberger Tal, eine Institution, die mit bewundernswerter Entschlossenheit das Bild einer Gegend international publik machte, so die Jury. Das „Schlesische Elysium“ mit seinen Bauwerken und Parkanlagen war in der Nachkriegszeit fast sechs Jahrzehnte lang in Vergessenheit geraten und teilte so das Schicksal der heruntergekommenen Denkmäler der Region, da es weder ein Konzept noch finanzielle Mittel gab, um sie vor dem Verfall zu retten.

Den Preis für die Stiftung hat Grażyna Kolarzyk, Leiterin der Kulturveranstaltungen der Stiftung entgegen genommen. „Die Stiftung wurde vor 13 Jahren mit dem Ziel ins Leben gerufen, das einzigartige Kulturerbe dieser Region am Fuße des Riesengebirges zu schützen und zu fördern. Eine der Förderungsformen ist die Organisation kultureller Veranstaltungen. Auf diese Weise knüpfen wir an die reiche künstlerische Tradition unserer Region in den vergangenen Jahrhunderten an“, so Kolarzyk. (ka)

v.l.: Minister Boris Pistorius, die Preisträger: Prof. Joachim Bahlcke, Grażyna Kolarzyk, Andrzej Kosendiak, Marschall Dr. Tadeusz Samborski. Sichtbar hinten, v.r.: Dr. Maciej Łagiewski, OB Tadeusz Krzakowski, Dr. Markus Bauer
Foto: K. Kandzia