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April 2026

Schlesisches Tagebuch von Alfred Theisen
​aus "Schlesien heute" Nr. 4/2026

Die alte preußische Krönungsstadt Königsberg in Ostpreußen war nach Breslau die am meisten leuchtende Metropole des historischen deutschen Ostens. Ihr größter Sohn Immanuel Kant ist einer der bedeutendsten Deutschen überhaupt. Er hat sowohl in der Philosophie als auch mit Blick auf das Ringen um eine weltweite Friedensordnung der Völker nicht nur eine herausragende nationale, sondern auch globale Bedeutung und Anerkennung. Die in seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“ dargelegten republikanischen Ideale der Gewaltenteilung zum Schutz der Menschenwürde haben Eingang in die Charta der Vereinten Nationen und die Römischen Verträge der Europäischen Union gefunden. Es ist ein nur schwer zu ertragender Zustand, dass seine von Sowjetrussland 1945 okkupierte Heimatstadt heute nach einem der größten Schufte des vergangenen Jahrhunderts, dem wohl engsten Weggefährten Stalins, auf Russisch Kaliningrad genannt wird.


Niemand will die Annexion des nördlichen Ostpreußens rückgängig machen, obwohl diese russische Exklave im prosperierenden Ostseeraum heute keine Drehscheibe europäischen Handels und Miteinanders, sondern einen abgeschotteten, bedrohlichen, hochgerüsteten Militärstützpunkt darstellt. Aber die Kantstadt Königsberg weiter nach Kalinin zu benennen, kann nur als Zeichen eines fortdauernden autoritären russischen Nationalismus gewertet werden und muss heftigen Protest auslösen. Polen und die baltischen Staaten, die besonders unter Stalins und Kalinins Schreckensherrschaft gelitten haben, sind seit einiger Zeit bereits dazu übergegangen, im offiziellen Sprachgebrauch den Namen „Kaliningrad“ zu streichen und wieder die deutsche Bezeichnung Königsberg zu nutzen.


Auch anlässlich des 300. Geburtstages von Kant vor zwei Jahren gab es in Königsberg keine den Philosophen würdigende Veranstaltung, sondern nur einige herabsetzende Bemerkungen des Gebietsgouverneurs. Immerhin konnte dort in den 1990er Jahren eine Kant-Statue aufgestellt werden, bevor diese kurze Ära des freiheitlich-demokratischen Tauwetters in Russland durch Putin bei dessen Machtantritt im Jahre 2000 sofort beendet wurde und auch die Repräsentanten der vertriebenen deutschen Königsberger vor Ort alle Ansprechpartner verloren.


Umso erfreulicher ist, dass das historische Ostpreußen mit Königsberg im norddeutschen Lüneburg eine hervorragende Stätte der Erinnerung gefunden hat. Mit dem neuen Kant-Museum setzt das Ostpreußische Landesmuseum dabei einen innovativen Akzent in der deutschen Museumslandschaft (S. 34). Dieses Museum versteht sich nicht nur als museale Auseinandersetzung mit einem zentralen Vertreter der europäischen Geistesgeschichte, sondern als lebendiger Denkraum, der Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet und zur Auseinandersetzung mit grundlegenden Fragen des menschlichen Zusammenlebens anregt. Einzigartige Exponate eröffnen persönliche Einblicke in den Menschen Kant, während Inszenierungen und interaktive Stationen seine komplexe Philosophie anschaulich und lebendig vermitteln. Sowohl das Ostpreußische Landesmuseum mit Deutschbaltischer Abteilung wie auch das dort jetzt eröffnete Kant-Museum, stellen herausragende Gedenkorte im heutigen Deutschland dar, die in den kommenden Jahren hoffentlich hohe Besucherzahlen, vor allem auch von Schulklassen, verzeichnen können.


Vier Jahre dauert nun schon das Leiden und Sterben, aber auch der überraschend tapfere und bislang erfolgreiche Widerstand der Ukrainer gegen den brutalen Angriffskrieg Putin-Russlands. Ein ukrainischer Freund kritisierte unsere Berichterstattung der vergangenen Monate mit den Worten: „Warum wird so viel über das Leid der Deutschen vor 80 Jahren berichtet, während heute das größte Land innerhalb der Grenzen Europas mit einer rund 1000 Kilometer langen Front und permanenten brutalsten Angriffen auch auf die Zivilbevölkerung durch den gleichen Aggressor wie damals in seiner Existenz bedroht ist?“


Die schockierende Kriegsberichterstattung und die politischen Bemühungen um ein Ende der Kampfhandlungen sind in den deutschen Medien präsent und werden auch in Zukunft kaum Gegenstand unserer Berichterstattung sein. Aber durch unzählige Leserreisen nach Lemberg und Czernowitz von 2007 bis 2019 besteht eine besondere Verbundenheit zu diesen leuchtenden Metropolen Galiziens und der Bukowina. Vor diesem Hintergrund werden wir über diese in Zukunft intensiver berichten und dauerhaft die Initiative konstanter humanitärer Hilfe von Peter-Paul Straube und des von ihm geleiteten Bautzener Domladens unterstützen (S. 18). Dabei ist die moralische Unterstützung für die leidgeprüfte Bevölkerung, die sehr dankbar diese wohltuende Solidarität, das „Nicht vergessen werden“ wahrnimmt, ebenso wichtig wie die materielle Hilfe. Dies kommt auch in dem Gespräch mit dem griechisch-katholischen Bischofs Wolodymyr Hruza aus Lemberg und seiner bewegenden Osterbotschaft zum Ausdruck (S. 21).

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