Unsere Marken:

Für Abonnenten ist das Digitalabo zum Sonderpreis von 15 Euro im Jahr erhältlich

Für Abonnenten der Print-Ausgabe ist das Digitalabo für nur 15 Euro im Jahr erhältlich

Digitalabonnement Schlesien heute

Mit dem Schiff über Wiesen gleiten

Auf dem Oberlandkanal fahren die Schiffe auch schon mal über Land. Foto: Żegluga Ostródzko-Elbląska

Oberlandkanal ist wieder komplett befahrbar. 15 Jahre mussten Besucher auf diesen Moment warten. Am 29. Mai war es endlich so weit. Dann fand die erste Fahrt über den gesamten Oberlandkanal statt. Das Ausflugsschiff der Weißen Flotte (Żegluga Ostródzko-Elbląska) ist stattliche elf Stunden unterwegs und überwindet über 100 Meter Höhenunterschied. Möglich machen das fünf „geneigte Ebenen“, die noch heute mit Technik aus dem 19. Jahrhundert betrieben werden.


Nach 15 Jahren Pause nimmt die Weiße Flotte den Betrieb auf der Gesamtstrecke zwischen Elbing (Elbląg) und Osterode (Ostróda) wieder auf – in der Sommersaison zunächst testweise einmal monatlich. Das Schiff bricht morgens in der einstigen Hansestadt Elbing auf und erreicht das masurische Osterode am Abend. Wer zurück will, kann den Bus gleich mitbuchen. Am nächsten Tag startet das Schiff mit neuen Gästen in die Gegenrichtung.

Das Herzstück des Systems ist so simpel wie genial: Über ein Rohr wird Wasser aus dem Kanal auf ein acht Meter großes Rad geleitet. Die Schaufeln nehmen je eine Tonne Wasser auf. So wird ein Endlosseil bewegt, das die Plattformen mit den Schiffen die Schienentrassen hinaufzieht. Kein Strom, kein Motor. Nur Schwerkraft und Wasser. Fünf solcher „geneigten Ebenen“ liegen auf der Strecke. Außerdem passiert die Trasse vier Schleusen.


Erdacht wurde das System vom Königsberger Ingenieur Georg Jacob Steenke. 1825 entwarf der königlich preußische Baurat einen ersten Plan. 1848 begannen die Arbeiten, 1860 wurde der Kanal eröffnet. Ursprünglich dem Transport von Holz und Getreide aus dem Landesinneren zur Ostsee. Bereits 1912 fuhren die letzten Frachtschiffe. Nach dem Ersten Weltkrieg entdeckte man die Strecke für den Tourismus – vor der Renovierung 2011–2015 waren jährlich rund 60.000 Personen unterwegs.


Am besten lässt sich das Prinzip der geneigten Ebenen in Buchwalde (Buczyniec) beobachten. Dort können Schaulustige am Ufer verfolgen, wie der gesamte Mechanismus in Bewegung kommt – und ein Schiff scheinbar über die Wiesen gleitet. Zudem gibt es dort ein Museum zu Geschichte und Technik des Kanals. Informationen rund um den Kanal sowie Ausflugstickets gibt es auf der Homepage der www.zegluga.com.pl.

Nach der Navigation

Schlesien heute Nr. 1 2025